Unbegrenzt entgrenzt 2: Grenzen der Herkunft, Grenzen der Scham

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Carolin Emcke im Gespräch mit Didier Eribon

In seinem beeindruckenden Buch »Die Rückkehr nach Reims« erzählt der französische Soziologe Didier Eribon von der doppelten Scham, die ihn als Homosexueller und als Arbeitersohn belastete. In seiner so berührenden wie beeindruckenden Analyse beschreibt Eribon, was seine soziale Herkunft in einer klassenbewussten Gesellschaft, die gleichzeitig die Kategorie der Klasse leugnet, bedeutete. Zugleich widmet sich Eribon der Frage, warum sich das französische Arbeitermilieu von der Politik des Front National angezogen fühlt. Welche politischen Motive, welche sozialen Erfahrungen führen dazu? Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Intellektueller vermag es Eribon sehr persönliche, intime Erfahrungen der eigenen Biographie mit einer tiefenscharfen soziologischen Analyse der Gegenwart zu verbinden.

Streitraum 2016/17: »Unbegrenzt entgrenzt – oder: Wozu braucht es Grenzen?«
Welche Formen der nötigen und unnötigen Grenzen haben und brauchen wir? Grenzen schließen ein und aus, manchmal schützen sie, manchmal sperren sie ein. Grenzen lassen sich aus harten oder weichen Stoffen ziehen. Es gibt emotionale oder territoriale Grenzen, Grenzen der Toleranz oder Grenzen der Scham. In den letzten zwei Jahren wurden stabil geglaubte Grenzen überschritten und offene Grenzen wieder geschlossen. Der »Streitraum« in der Spielzeit 2016/17 will sich diesen unterschiedlichen Formen stellen: Welche Grenzen der Toleranz braucht es in einer offenen Gesellschaft? Welche Grenzen des »das wird man ja wohl mal sagen dürfen« braucht es aber auch? Auf welcher Sorte Übereinkunft beruhen Vorstellungen von den Grenzen zwischen den Geschlechtern? Zwischen den Religionen?