Tolerierte Ungerechtigkeit 3: Europa und das Recht auf Asyl

Featured Video Play Icon

Carolin Emcke im Gespräch mit Julia Duchrow, Nather Henafe Alali, Nora Markard und Frank Nürnberger
Der Krieg in Syrien dauert an und die Not der Geflüchteten, die sich auf den Weg aus ihrem Land gemacht haben und in Europa Schutz suchen, auch. Wie hat sich Europa in dieser Situation verändert? Wurde mit der Aufnahme der syrischen Geflüchteten das Recht auf Asyl bestätigt oder wird es nach und nach eher unterwandert? Wird Europa im Zuge der Entwicklung offener oder geschlossener? Wie können die Standards in den Flüchtlings-Unterkünften human gestaltet werden? Welche Folgen haben die Anschläge in Paris für die Diskussion um das Recht auf Asyl? Welche Ängste und Sorgen lösen sie bei den syrischen Geflüchteten aus?

Streitraum 2015/16: Tolerierte Ungerechtigkeit?
Wieviel Ungleichheit, wieviel Ungerechtigkeit kann eine Gesellschaft eigentlich aushalten? Gibt es Formen der Chancenlosigkeit, der sozialen Ausgrenzung, der Armut, der mangelnden gesellschaftlichen Teilhabe, die eine Gesellschaft aus den Fugen bringen? Oder haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass uns Ungerechtigkeit als – wie Angela Merkel sagen würde – »alternativlos« erscheint? Welche Gewalt und Missachtung, welche Kriege und Vertreibungen nehmen wir hin, welche haben wir schon wieder vergessen, obgleich sie andauern? Wie kommt es, dass die Nöte und Sehnsüchte von nach wie vor benachteiligten Menschen oftmals nur noch als lästig empfunden werden? Wie kommt es, dass Ansprüche und Einsprüche von Frauen oder Muslimen, von älteren oder armen Menschen, von all denen, denen die Teilhabe verweigert oder beschwert wird, nur noch von ihnen selbst vorgebracht werden, aber selten noch jene mobilisieren, die nicht direkt betroffen sind? Ist Müdigkeit der Grund für die Bereitschaft, ökonomische Ungleichkeiten in immer größerem Ausmaß auszuhalten? Oder Angst? Erleben wir gerade einen »Backlash«, der emanzipatorische Bewegungen wieder zurückdrängt? Welche Strategien, welche Visionen braucht das Projekt einer gerechten Gesellschaft? Welche Bedeutung kommt dabei der Bildung zu, welche Rolle spielen Theater, Film, Literatur, um Bilder und Erzählungen von Gleichheit und Gerechtigkeit zu erzeugen?